Szenenbild aus Rehragout-Rendevouz

Filmkritik: Rehragout-Rendevouz

Eberhofer ist Kult. Soviel lässt sich vorneweg schon sagen. Darum war Saal 1 im Premiere-Kino im Zoo Palast prall gefüllt, die Stimmung bombig und der Empfang für die Schauspieler mehr als wohlwollend. Rehragout-Rendevouz bringt ein Stück Niederbayern in der Hauptstadt – authentischer jedenfalls als Oktoberfeste in Berliner Kneipen.

Hätte ich die Rezension gleich nach der Premiere geschrieben, wäre sie anders ausgefallen als heute. Das ist ein bisschen ungerecht, trotzdem komme ich nicht umher, vorab zu erwähnen, dass die Buchautorin Rita Falk, sich eiligst von der Verfilmung distanziert hat, weil diese wohl ziemlich weit weg von dem ist, was im Buch steht. Ich habe das Buch nicht gelesen, kenne nur einige der anderen Verfilmungen und bin dem Charme des bayerischen Klamauks verfallen. Distanzierung hin oder her.

Ein bisschen Ohnsorg-Theater

Was ich an allen Eberhofer-Krimi-Verfilmungen wirklich liebe, ist, dass mich die Filme für 97 Minuten in eine komplett andere Welt katapultieren. Keine Ahnung, ob das grundsätzlich für alle Fans so gilt, ich jedenfalls vergesse in dieser Zeit alles und denke dann immer: Das muss das Konzept vom Ohnsorg-Theater gewesen sein, was meine Oma immer mit großer Faszination konsumiert hat – ein Schauspiel, das die Komplexität der Welt auf Leberkässemmelniveau reduziert, Flachwitze inklusive. Manchmal tut das einfach gut.

Es ist wahrscheinlich gar nicht zielführend, viel über den Film selbst zu erzählen, denn wer die Eberhofer-Reihe kennt, weiß, was ihn erwartet – einfach, weil der Rahmen stets derselbe ist. Da sind das Dorf, der Franz, der Rudi, die Susi, die Oma, der Papa und der Paul und diejenigen, die sonst noch für die Handlung gebraucht werden. Insgesamt ist alles ein bisschen albern, aber das macht die Filme halt aus. Wer Ernst oder Tiefgang erwartet, ist beim Eberhofer falsch. Ach ja und: Hund Ludwig ist leider tot, dafür gibt es einen neuen, der seinen Platz noch nicht so richtig gefunden hat. Und es gibt ein Ohrwascherl. Mehr wird nicht verraten.

Geschichte hinter den Eberhofer Geschichten

Rita Falk schreibt jedes Jahr ein neues Buch, das nach Erscheinen sofort die Bestsellerliste erobern und ein absoluter Verkaufsgarant ist. Was allerdings wenige wissen: Die Autorin war bis zu ihrem 55. Lebensjahr Bürokauffrau. Nach einer Entlassung nutzte sie die gewonnene Zeit und schrieb einen Roman, der von allen Verlagen, die sie angeschrieben hatte, mit der Begründung „für ein Erstlingswerk zu traurig“, abgelehnt wurde. Mehr oder weniger aus Trotz entstand der erste Eberhofer und heute, fast 13 Jahre später erreicht sie mit den Büchern und Filmen ein Millionenpublikum.

Rehragout-Rendevouz

Held und Ermittler ist auch bei der neunten Verfilmung Franz Eberhofer, der Dorfpolizist des fiktiven niederbayerischen Dorfleins Niederkaltenkirchen. Eberhofer ist der klassische Antiheld: Im Grunde nur an sich und seinem Wohlbefinden interessiert, scheinen die Aufgaben, die an ihn herangetragen werden, eher lästig. Seine Mordaufklärungsrate ist trotzdem beachtlich: satte 100 Prozent. Neben diesem Erfolg, isst und trinkt er gern, liebt seine Susi und das ist eigentlich auch schon alles, was man über ihn wissen muss. Leider bekommt Susi eine neuen Job und das bringt einiges Durcheinander. Und schon sind wir mittendrin in einer Geschichte, die nach Bier, Männerschweiß, nicht erledigtem Abwasch und Jauche riecht.

Foto Premierefeier Rehragout-Rendevouz
Premiere Rehragout-Rendevouz, Darsteller*innen und Regisseur / Constantin Filmverleih ©Gisela Schober

Ein bisschen was Neues, aber eben auch viel Liebgewonnenes steckt in Rehragout-Rendevouz und als Zuschauer ahnt man manchmal, wie viel Spaß die Dreharbeiten wohl machen und wie viel Herzblut das Team rund um Regisseur Ed Herzog und Produzentin Kerstin Schmidbauer investiert. „Die meisten haben schon mehrere Eberhofer-Filme gemacht und arbeiten immer wieder gerne mit uns“, erzählt Kerstin Schmidbauer. „Im Bereich Musik, Schnitt, Ton, Szenenbild, Kostüm, Maske sind die Verantwortlichen fast alle schon von Anfang an dabei“.

Wer also mal abschalten und anderen beim Stolpern durchs Leben zuschauen will, dem kann ich den neuen Eberhofer ans Herz legen. Fans werden eh ins Kino gehen und denen, die noch keinen der Filme kennen, sei gesagt: Es lohnt sich. Ich habe herzhaft gelacht.

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Offizieller Trailer Rehragout-Rendevouz ©Constantin Film Verleih

Titelbild: Szenenbild aus Rehragout-Rendevouz Constantin Film Verleih ©Bernd Schuller

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