Porträtbild Sahra Wagenknecht frontal mit verschränkten Armen

Falsche Prophetin?

Warum Sahra Wagenknecht die Demokratie gefährdet

Nicht erst seit ihrem „Manifest für den Frieden“ gilt Sahra Wagenknecht als Politikerin als umstritten. Ob in der ehemals eigenen Partei, wo immer mal wieder ihr Ausschluss gefordert wurde oder in der Presse – der Tenor lautet: Sahra Wagenknecht würde polarisieren, spalten oder mit ihrer Rhetorik nicht selten die Argumentation der AfD bedienen. Also der Partei, die der Die Linke in der Parteienlandschaft eigentlich gegenübersteht. Und dass Björn Höcke Sahra Wagenknecht dazu einlud, Mitglied der AfD zu werden, ist nur ein Puzzleteil der Geschichte: „Ich bitte Sie, kommen Sie zu uns“, sagte er auf einer Veranstaltung und fügte an, dass Wagenknecht in seiner Partei anders als bei den Linken dann endlich jene Politik machen könne, von der sie träumt.

Viele bezeichnen Wagenknecht als populistisch, nicht zuletzt, weil sie das, was sie sagt, in einfache emotionale Botschaften verpackt und in ihren Forderungen nach politischen Veränderungen, insbesondere in Bezug auf soziale Gerechtigkeit und die Verteilung von Ressourcen, immer wieder auch Elitenkritik anbringt. Das verleitete Focus-Autor Hugo Müller-Vogg dazu, Wagenknecht in einem Artikel „demagogisches Talent“ zu bescheinigen und sie die „gefährlichste Frau Deutschlands“ zu nennen, die eine bestimmte „Masche“ hat, die Menschen einzufangen.

Leo Löwenthals „Falsche Propheten“

Wohlmöglich ist „Masche“ ein anderes Wort für das, was der Literatursoziologe Leo Löwenthal in seinem Buch „Falsche Propheten“ als „politische Agitation“ bezeichnet. Löwenthal führte in den 1940er Jahren eine der ersten umfassenden Studien über Propaganda durch. In seiner Arbeit „Propaganda Technique in the World War“ hat er verschiedene Techniken und Strategien der Propaganda identifiziert und analysiert. Für ihn geht der Agitator „seine Zuhörer nicht von außen her an; vielmehr gibt er sich wie jemand aus ihrer Mitte, der ihre innersten Gedanken formuliert. Er rührt das auf und drückt das in Worten aus, was in ihnen schlummert“. So auch Sahra Wagenknecht, die selbst immer wieder betont, dass es ihr um die Menschen geht. Im Falle der Ukraine darum, das Sterben zu beenden, was man ihrer Ansicht nach nur durch Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland erreicht. Und im Falle ihres Buches „Die Selbstgerechten Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt“ dreht sich ihre Besorgnis um die einfachen Arbeiter*innen, in denen sie die Verlierer*innen der, ihrer Auffassung nach, linksliberalen Lifestyle-Politik sieht.

Ist das noch Populismus oder schon Propaganda?

Grundsätzlich ist der Propagandabegriff natürlich umstritten, was daran liegt, dass ihn eine gewisse Unschärfe auszeichnet. So kann man ihn durchaus als ganz neutralen Begriff für die Verbreitung von Informationen und Ideen nutzen. Aber eben auch negativ konnotiert als Begriff für die Manipulation von Informationen und Meinungen. Die wissenschaftliche Forschung zum Thema Propaganda hat sich allerdings auf die manipulative Verwendung konzentriert. „Propaganda zeichnet sich durch die Komplementarität vom überhöhten Selbst und denunzierendem Fremdbild aus und ordnet Wahrheit dem instrumentellen Kriterium der Effizienz unter. Ihre Botschaften und Handlungsaufforderungen versucht sie zu naturalisieren, so dass diese als selbstverständliche und nahe liegenden Schlussfolgerungen erscheinen“, so der Aitor Thymian Bussemer.

Aber was unterscheidet Propaganda von Populismus? Während Propaganda die gezielte Verbreitung von politi…