Kunst für Demokratie

2016/17 war ich mehrfach als Helferin auf Lesbos und das Schlimmste war für mich nicht, die Boote an Land zu ziehen, Menschen zu beerdigen und Kinder, die traumatisiert von der Flucht über das Meer waren, zu versorgen. Viel schlimmer war es, nach Deutschland zurückzukommen und die Kälte, die Abwehr und Ignoranz zu spüren, die das Thema bei vielen auslöste. Darum habe ich mich auf die Suche begeben, um zu hinterfragen, wo die Ursachen dafür zu finden sind und was wir brauchen, um unsere Haltung zu ändern. Meine Suche hat mich unter anderem zur Kunst geführt und zu dem Potential, das in ihr steckt: Sinne zu schulen, zu gestalten, Empathie und das Gefühl für Selbstwirksamkeit zu fördern, Projektionsfläche zu sein. Kunst kann aufwühlen, anstacheln, den Finger in die Wunde legen. Sie lehrt uns Toleranz, hält uns einen Spiegel vor. Von Karl Marx stammt der Satz: „Kunst ist nicht der Spiegel der Wirklichkeit, sondern der Hammer, der sie gestaltet.“ Ich denke, Kunst ist beides – Spiegel und Hammer. Und für mich ist sie eine Möglichkeit, mein Engagement fortzusetzen und das zu tun, was ich liebe: nämlich Menschen zusammenzubringen, Räume zu eröffnen und Möglichkeiten zu kreieren.

Eine erste Kunstauktion 2017/18 unter dem Namen „Kunst gegen Kälte“ brachte 6.000 Euro ein, die ich an Hilfsorganisationen verteilt habe. Im September 2018 bin ich dann noch einen Schritt weiter gegangen und habe die gemeinnützige Unternehmergesellschaft „Kunst für Demokratie“ gegründet. Für mich steht fest, dass der Tag kommen wird, an dem unsere Kinder und Enkel uns fragen werden, wieso wir es zugelassen haben, dass in einem Jahr über 4.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind. Warum wir die Erde zerstört haben, warum wir einfach nichts getan haben. Ich kann mich dieser Frage stellen, denn ich habe zumindest versucht, diesem Irrsinn etwas entgegenzusetzen. Für mich hat Kunst die Kraft, die Welt zu verändern, wie schon Beuys sagte: „Die einzige revolutionäre Kraft ist die Kunst“.

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